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Forum gegen Gewalt an Frauen und Mädchen - Die Istanbul-Konvention konsequent umsetzen

|   Aktuelles 2018

Am 23.11.2018 hatte das Frauenhaus Singen zu einer Diskussionsrunde ins Bildungszentrum in Singen eingeladen. Thema des Informationsnachmittags war die Umsetzung der am 1. Februar 2018 in Deutschland in Kraft getretenen Istanbul-Konvention zum Schutz von Frauen und Mädchen gegen Gewalt.

Dazu waren vier hochkarätige Rednerinnen geladen, die die Umsetzung der Konvention auf den verschiedenen Aktionsebenen beschrieben.

 

Rund 35 Teilnehmer*innen aus den verschiedenen Bereichen des Frauen- und Kinderschutzes, der Polizei und des Rechts- und Ordnungsamts waren gekommen um zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, der jährlich am 25. November begangen wird, sich über dieses Thema auszutauschen.

Frau Logar erläuterte zunächst die Inhalte und die Entstehung der Istanbul-Konvention und betonte die Herausforderung für die Planung, die die Konvention auf allen politischen Ebenen stellt.

Dorothea Wehinger beschrieb den Landesaktionsplan, der als ressortübergreifende Gesamtstrategie des Landes im November 2014 verabschiedet wurde. „Priorität Nummer 1 ist es nun, ein bedarfsgerechtes Angebot an Frauen- und Kinderschutzhäusern sowie spezialisierten Fachberatungsstellen sicherzustellen. Aktuell gibt es 42 Frauen- und Kinderschutzhäuser mit rund 750 Plätzen in Baden-Württemberg. In 4 Landkreisen gibt es jedoch noch keine entsprechende Einrichtung. Die wissenschaftliche Bedarfsanalyse und die Empfehlungen der Istanbul-Konvention des Europarats zeigen jedoch, dass weitere Plätze in den Frauen- und Kinderschutzhäusern in Baden-Württemberg notwendig sind. Wir unterstützen Minister Lucha daher ausdrücklich in seiner Ankündigung, einen zweistelligen Millionenbetrag im kommenden Doppelhaushalt pro Jahr für einen flächendeckenden Ausbau der Frauen- und Kinderschutzhäuser und Beratungsstellen bis 2022 zur Verfügung zu stellen. Dies ist ein notwendiger Schritt, der gewaltbetroffenen Frauen und Kindern hilft aus der Gewaltspirale zu entkommen.“ konkretisierte sie die Maßnahmen der Landesregierung.

Frau Dr. Katrin Lehmann beleuchtete im Anschluss die Situation im Landkreis Konstanz. „Die Stadt Singen steht, was die Umsetzung der Istanbul-Konvention anbelangt, schon ganz gut da – die Schwierigkeit besteht aber darin, dass das Umland schlecht mit Frauenhäusern bzw. Beratungsstellen ausgestattet ist – das führt dazu, dass immer wieder auch Frauen in Singen abgewiesen werden müssen“. Auch wies sie darauf hin, dass die allgemeine Wohnungsnot sich auch auf die Vermittlung von Wohnungen an betroffene Frauen erschwerend auswirkt.

Dr. Claudia Schöning-Kalender stellte abschließend in ihrem Referat eine spannende Studie vor, die die finanzielle Belastung von häuslicher Gewalt für die Gesellschaft untersuchte. Auch von diesem Blickwinkel her betrachtet, sei die Prävention von Gewalt der wichtigste Ansatzpunkt in der Umsetzung der Istanbul-Konvention.

 

Referentin und Podiumsteilnehmer*innen:

Rosa Logar, Geschäftsführerin der Wiener Interventionsstellen gegen familiäre Gewalt und Mitglied von GREVIO (Group of Experts on Action against Violence against Women and Domestic Violence)

Dorothea Wehinger, Landtagsabgeordnete der Grünen in Baden-Württemberg und Sprecherin für Frauen, Kinder und Familie

Dr. Katrin Lehmann, Referentin für Frauen und Mädchen beim Paritätischen Landesverband Baden-Württemberg und Mitglied im Beirat des Landesaktionsplans gegen Gewalt an Frauen und Mädchen

Dr. Claudia Schöning-Kalender, Kulturwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Migration und interkulturelle Frauenforschung, geschäftsführende Vorsitzende des Mannheimer Frauenhaus e.V. und Stadträtin im Gemeinderat Mannheim.

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v.l.: Rosa Logar, Dr. Claudia Schöning-Kalender, Claudia Zwiebel, Dorothea Wehinger, Dr. Katrin Lehmann, Susanne Biskoping