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„Herrengedeck und Frauengedöns – 100 Jahre Frauenwahlrecht “ im Landtag

|   Aktuelles 2019

Mit der Veranstaltung “Herrengedeck und Frauengedöns“ feierte am Samstag, 12. Januar 2019 der Landtag von Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Landesfrauenrat, dem Verein Frauen und Geschichte, Studierenden der Hochschule Medien sowie ca. 700 überwiegend weiblichen Gästen 100 Jahre Frauenwahlrecht.

Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) sagte in ihrem Grußwort: „Vor 100 Jahren überwand die Demokratie ihren Geburtsfehler: Den Ausschluss der Frauen aus der Politik.“  Mit einem Frauenanteil von 24,5 % bildet das baden-württembergische Parlament bei den deutschen Landesparlamenten allerdings das Schlusslicht. So fordert Muhterem Aras denn auch: „Das muss sich endlich ändern.“

Neben Vorträgen von Professorin Doris König, Richterin am Bundesverfassungsgericht und Professorin Sylvia Schraut, Vorsitzende des Vereins Frauen und Geschichte, die sich beide ausdrücklich für ein Parité-Gesetz aussprachen, wurden Diskussionen, Workshops und Performance geboten.  

Dorothea Wehinger nahm neben Angelika Klingel (Evang. Mütterkurheime in Württemberg e .V) und Moderatorin Prof. Dr. Susanne Maurer (Sozialpädagogin, Uni Marburg) im Club der unmöglichen Fragen an der Arbeitsgruppe „Frauen sorgen – Männer verdienen“ teil und entwarf dafür das folgende Schreckensszenario:

 

Alle Frauen gehen in den Streik und verweigern ab sofort jegliche Art von Sorgearbeit.

  • wickeln keine Kinder mehr
  • Füllen nicht mehr den Kühlschrank
  • Kaufen kein Toilettenpapier
  • Waschen und bügeln nicht
  • Trösten kein Kind mehr das hinfällt.
  • Schmieren kein Pausenbrot.
  • Schicken Pflege- oder hilfsbedürftige Oma und Opa gleich ins Pflegeheim.
  • Und so weiter und so weiter

Zum Glück ist es nicht so, denn genau das machen Frauen auch heute noch zusätzlich zu ihrer Erwerbsarbeit.

Und immerhin sind es 72 % Frauen zwischen 16 und 65 Jahren die berufstätig sind, und 81% Männer.

 

Neues Bild:

  • Frauen verdienen für gleiche und gleichwertige Arbeit genau so viel wie ihre männlichen Kollegen.
  • Frauen und auch den Männern ist es möglich, in berufliche Teilzeit zu gehen,
  • Egal ob mit Kind/Kindern oder nicht.
  • Führungsposition erhält der/diejenige Person, die die am besten geeignete dafür ist.
  • Arbeit wird nicht mehr in Frauenarbeit und Männerarbeit eingeteilt und somit nicht unterschiedlich bezahlt.
  • Paare teilen sich selbstverständlich die Hausarbeit, Besorgungen und alles, was rundherum notwendig ist.
  • Pflege von Familienangehörigen wird von beiden Partnern übernommen,
  • Momentan ist es so, dass mehr als die Hälfte der Pflegebedürftigen von Angehörigen gepflegt werden, von denen knapp 2/3 erwerbstätig sind.
  • Und 62 % davon sind Frauen, die die Pflege um ihre Erwerbstätigkeit drum herum arrangieren.

Deshalb ist die Doppelbelastung besonders bei den Frauen anzutreffen.

So sind Frauen der mittleren Generation mit 4,3 Stunden stärker durch Sorgearbeit beansprucht als Männer, aber nur 2,3 Stunden weniger erwerbstätig.

Fazit:

Da müssen wir noch viel daran arbeiten. Das alleine kann aber die Politik nicht richten, das muss die ganze Gesellschaft mittragen und voranbringen. Der Sorge oder Care-Arbeit muss eine höhere Wertschätzung entgegengebracht werden,

  • Erziehungs- und Bildungsarbeit muss als eine der wichtigsten Arbeiten angesehen werden,
  • Es muss selbstverständlich werden, dass auch Frauen auf allen Ebenen mitarbeiten

 

Im Rahmen des CONMEDIA-Projektes „Experimentierdemokratie“ der Hochschule für Medien gab es ein Planspiel in Plenarsaal, dazu Interviews mit den frauenpolitischen Sprecherinnen aller Fraktionen.

Zum Video mit Dorothea Wehinger:

 

Der Landtag berichtet zur Veranstaltung:

 

 

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Abendprogramm CONMEDIA „Kopfsache? Tradition.Frau.Zukunft“ der Hochschule der Medien